Neues WIR-Gefühl in Bittkau an der Elbe

Zusammenhalt, Mobilität, Teilhabe und Aktivierung von Ehrenamt: All dies war Bestandteil der Workshops und Kultur-Aktionen des letzten halben Jahres in Bittkau an der Elbe. Alles gipfelte ende Juli dann in einer generationsübergreifenden Sommer-Open-Air-Revue. Auch für das .lkj)-Projekt „WIR.Heimat.Land.Jugendkultur“ war die Revue genau wie für diverse weitere Kooperationspartner*innen und befreundete Vereine der Sommerhöhepunkt: Theater, Pantomime, Tanz, Musik und FreilichtGalerie im Elbdorf Bittkau in der Altmark. Wir danken allen über 80 direkt beteiligten Menschen – jung und alt – aus Bittkau und Umgebung für dieses einzigartige erlebnisreiche Projekt kultureller Bildung. Besonderer Dank gilt Regisseurin Dorothea Lübbe und ihrem Team in der Altmark: Aileen & Thomas Lemme, Cindy Städtler und Astrid Triebe sowie allen Freund*innen vom Elbchor Grieben-Bittkau, dem Jugendclub, den Tanzgruppen, der Freiwilligen Feuerwehr, dem Heimat- und Schifferverein Bittkau e.V. und allen Helferinnen und Helfern..

Das, was die Bittkauer*innen auf die Bühne in den Elbwiesen stellten, war sehr beeindruckend – eine Revue über die jüngere Geschichte des Dorfes, selbst entwickelt, selbst gespielt, selbst beworben und gestaltet, das größte gemeinsame Projekt in der bisherigen Dorfgeschichte. Mehr als 50 Laiendarsteller lenkte Regisseurin Dorothea Lübbe über die Bühne an der Elbe. Seit Januar arbeiteten Lübbe und die Vereine des Dorfs gemeinsam an dem Ereignis. Alle Gewerke, alle Kunstrichtungen konnten einfließen. Wer niicht auf der Bühne stand, baute Kulissen, besorgte Technik oder nähte Kostüme, besorgte Verpflegung oder mähte den Rasen. Tausend Dinge gab es zu organisieren.

Diese intensive Zusammenarbeit empfinden die Bittkauer der Regisseurin zufolge als „wirklich spektakulär.“ und es wirkt nach: Der Film über die Revue, der von Hovhannes Martirosyan über das Ereignis erstellt wird, bringt im Oktober erneut alle Beteiligten zusammen. Im Kino Stendal soll mit dem Film das einzigartige Ereignis gefeiert werden, denn vor allem der Zusammenhalt, die Zusammenarbeit in Bittkau und mit Menschen aus der Einheitsgemeinde Tangerhütte bekam einen immensen Schub.

Zwar waren die örtlichen Vereine bislang auch sehr aktiv, jeder aber auf seinem eigenen Gebiet. Diesmal entwickelten unter anderem Feuerwehr, Heimatverein, Chor, die Jugendlichen aus dem Klub und viele mehr ein Projekt gemeinsam. Dorothea Lübbe forschte für die Revue lange in der Ortschronik und befragte intensiv alteingesessene Bittkauer. Die Regisseurin spricht von einem „Riesenkraftakt“. Das Stück, das sie selbst geschrieben hat, beleuchtet Bittkaus Geschichte seit den 1930er Jahren.

Die Vorstellungen wurden am Freitag und Samstag jeweils um 19 Uhr auf die große Bühne direkt auf den Elbwiesen gebracht. Der Eintritt war frei, es wurde jedoch um Spenden für die Betroffenen des Großbrandes vom Juni gebeten, denn in die Probenzeit für die Sommerrevue krachte das jüngste Unglück der Dorfgeschichte – die Brandkatastrophe vom 30. Juni, die einer Familie das Haus nahm, mehrere Schuppen verbrannten dazu. Die Angst, aber auch das Staunen über die Hilfsbereitschaft und ein neues Miteinandergefühl steckten den Bittkauer*innen noch während der Vorstellungen in den Knochen.

Insgesamt generierten die diversen Aktivitäten ein positives Gefühl des Beheimatet-Seins, zeigte aber auch die Fehlstellen auf im ländlichen Raum: Ohne Breitband –Internet ohne stündliche Busverbindungen, ohne Kaufhalle im Dorf mußte viel vorgeplant werden, improvisiert oder mündlich besprochen werden: Entschleunigung, oft gepriesen als Pluspunkt für gestresste Städter, war hier zumindest in der Projektabschlußphase eher zum Haareraufen.